Corno Grande

Der Corno Grande ist mit 2.912m der höchste Berg des Apennins. Also könnte man theoretisch auch sagen: der höchste Berg Italiens, welcher nicht in den Alpen liegt 😉
Es gibt im Prinzip drei Wege, die auf diesen Gipfel führen, wovon anscheinend einer keiner findet, und zwar den Normalweg 🙂 Also: es gibt den Normalweg, den Weg über den Grat (creste) und einen Direkten (direttissima) – etwas steiler und schwieriger – UIAA II. Da das Wetter nicht wirklich perfekt für diese Tour aussieht entscheiden wir uns für den Normalweg, welchen wir schlussendlich nicht finden. Dies hatte aber nichts mit dem Wetter (Nebel) zu tun, sondern schlichtweg damit, dass er wahrscheinlich nicht wirklich gut gekennzeichnet ist, da wir nicht die Einzigen waren, die diesen nicht gefunden haben. Aber dem war auch gut so. Der Grat hat uns sehr gut gefallen.

Abzweigung via diritissima

Abzweigung via diritissima

So, noch gar nicht erzählt, wo wir losgehen. Natürlich vom Campo Imperatore. Das liegt ja schon mal auf 2.100m dann ist’s ja nimma so weit. Und den Weg kennen wir ja auch schon, waren wir ja mit dem Rad bereits hier. Wir gehen also von dort in Richtung Rifugio Duca degli Abruzzi aber nur wirklich kurz. Wir verlassen diesen Weg gleich mal nach rechts.

Rifugio leicht erreichbar vom Campo

Nach nicht wirklich kurzer Zeit erreichen wir bald einen Kamm. Von hier aus geht es links gleich wieder zum Rifugio – wir halten uns weiter rechts (also eigentlich gerade aus). Dann kommt die im ersten Bild gezeigte Abzweigung, wo wir uns für den Normalweg entscheiden. Auf der Karte (wir haben eine dabei – logisch) ist alles klar ersichtlich: über den Monte Aquila wollen wir nicht, also diesmal links halten und hier auf der Karte ist klar ersichtlich welchen Weg wir einschlagen wollen.

Kompass online - Kartenausschnitt

 

Wir stehen unten beim “Sella die Monte Aquila” (oranger Kreis) und würden gern den 103er folgen, bis sich die Wege in 154 bzw. 154A trennen (blauer Kreis). Wir wollen also nicht 154A gehen. Dennoch finden wir nur diesen Weg. Muss es jedoch nochmal betonen: für Menschen, die gerne am Grat ‘herumkraxeln’ ist dies wahrlich ein Genuss 🙂 – also auch für mich! Teilweise verlasse ich auch den markierten Weg (das tut man nicht!) damit ich näher am Grat bin.

Läufer (!) am Grat

Läufer (!) am Grat

Markierungen sind hier zu genüge. Natürlich soll man immer die Augen offen halten, aber am Grat gibt es selten ein Vergehen. Manchmal weicht man etwas rechts und manchmal etwas links aus, ansonsten immer gerade. Oben angekommen begegnen wir zu unserer Verwunderung Deutsche. Warum “zur Verwunderung”, die sind ja überall 😉 Na ja, bisher waren die Abruzzen, was wir so gesehen haben und uns so aufgefallen ist fest in italienischer Hand. Nur vereinzelt dort oder da ein deutsches Auto. Deswegen die Verwunderung. Wirft man einen Blick ins Gipfelbuch sieht man aber dass dies doch nur Zufall ist. Die Italiener dominieren das Buch!

Blick etwas abseits vom Gipfel aus

Blick etwas abseits vom Gipfel aus

Sogar ein Südtiroler und noch ein Deutscher leisten uns etwas später Gesellschaft. Bevor es jedoch eng hier oben wird gehen wir etwas abseits vom Gipfel weiter. Der Blick zum südlichsten Gletscher blieb uns aufgrund der Wolken ohnehin verwehrt. Dann war es gleich voll dort am Kreuz: Tschechen. Ja auch die Tschechen haben die Liebe für das Bergsteigen entdeckt und immer öfter sieht man sie in unwegsamen Gelände.
Als wir so ein wenig verweilen sehen wir jemanden von unten die direttissima herauf steigen – mit zwei Kindern am Seil. So entscheiden wir uns diesen Weg bergab zu gehen. Zuerst versichern wir uns jedoch, dass die Markierungen ausreichend sind, denn Lust hier zu verkraxeln haben wir keine. Sie sind anders, als die des Normalwegs, aber dennoch recht gut zu finden, auch wenn wir immer wieder ein wenig suchen müssen.

Nina bei einer der vielen Kraxelstellen

Wir machen also das, was man normalerweise eher bergauf geht, bergab. Die wenigen 2er-Stellen sind leicht gemeistert. Die Kletterei dauert zwar etwas länger als gedacht, dennoch kreuzen wir den Weg, den wir nach oben gegangen sind früher als der Südtiroler, welcher sogar den Gipfel vor uns verlassen hat. Wir machen nochmal kurz Rast bevor wir weiter zum Rifugio wandern. Ich mach noch einen kurzen Abstecher und marschiere ein wenig aufwärts zum Grat (bzw. Kamm) oberhalb des eigentlichen Weges.

schon wieder den Weg verlassen - böser Axi!

Am Rifugio genießen wir Kaffe, Kuchen und Bier und lehnen uns zu den Sonnenstrahlen zufrieden in der Wiese zurück. Eine wundervolle Tour geht zu Ende.

Fazit:
Umgekehrt wäre es zwar besser gewesen (also erst direttissima und dann Grat hinunter), so war es aber auch eine tolle Tour. Die direttissima benötigt etwas alpine Erfahrung und an manchen Stellen könnte der eine oder andere, der so etwas nicht gewohnt ist, seine Schwierigkeiten haben. Vor allem auf der Kompasskarte ist eine Leiter eingezeichnet. Die Legende sagt uns:
Legende
Also von einem Klettersteig fehlt jede Spur. Da und dort findet man vereinzelt Haken, das war es aber schon mit der via ferrata. Also nicht beirren lassen: es gibt keine Sicherungen!
Höhenmeter:
900
Strecke:
etwas über zehn Kilometer
Dauer:
inkl. kleinerer Pausen 4 1/2 Stunden. Mit Gipfelrast und Einkehr (wir gehen es immer sehr gemütlich an) verstreichen fast sieben Stunden. 

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