Walderkampspitze (östliche)

Das Internet – ein Ort, wo man alles findet. Alles? Fast alles. Wo sich die Geister des Internets scheiden, ist die Walderkampspitze. Für die meisten ist es der westlich gelegene Gipfel der Tratenspitze. Recherchiert man jedoch etwas genauer und verlässt man dabei mal das WWW und nimmt das alte Kartenmaterial und auch den für das Karwendel unerlässlichen Alpenvereinsführer zur Hand, so erkennt man rasch, dass alle im Netz gefundenen Tourenberichte falsch liegen. Anscheinend verbreitet sich dieser Irrtum wie eine ‘urban legend’. Fakt ist: die Tratenspitze gibt es in diesem Sinne gar nicht. Im Alpenvereinsführer wird davon geschrieben, dass dies ein weitere Name des Hundskopfes (wie auch Walder Zunterkopf) ist. Die Walderkampspitze wird ganz einfach in eine östliche und eine westliche getrennt, wovon die niedrigere (östliche) ein Gipfelkreuz mit Buch hat, die westliche nicht. Auf dem Ausschnitt der Kompasskarte (online) sieht man es auch ganz genau:

kompass

Die Tratten (Traten) ist (wie einer meiner Blog- und Bergsteigerbekannten) richtig beschreibt die Bezeichnung für Weidefläche (‘trat’ ist mittelhochdeutsch für Weide) und bezeichnet hier keinen eigenen Gipfel sondern eben nur die Fläche zwischen Hundskopf und Walderkampspitze.

Aber nun zum eigentlichen Thema, nämlich zu dieser Tour.
Bei unbeständigem Wetter, wie es in letzter Zeit die Regelmäßigkeit ist, geht es erst um ca. 11:00 Uhr von der Hinterhornalm los in Richtung Hundskopf. Der Hundskopf ist ein gern und sehr viel besuchter Gipfel, sind auch nur gute 700 Höhenmeter von der Alm bis dorthin zu meistern. Der Weg hinauf ist unschwierig und wird aufgrund der hohen Bekanntheit sehr oft auf anderen Seiten beschrieben, weswegen ich hier nicht weiter ins Detail gehe sondern nur eine eher selten gefundene Ansicht des Bergmassivs zeige.

Die Nordansicht des Hundskopfes

Die Nordansicht des Hundskopfes

Wir entscheiden uns für den nördlichen Weg, da wir den Gipfel erst beim Retourwandern über den Felix-Kuen-Klettersteig (?) mitnehmen. Uns führt ein gut markierter Pfad über einen Rücken, der gleich hinter dem Hundskopf beginnt zur sogenannten Mandele-Weibele-Scharte, die wir rasch erreichen. Hier kann man die Seilsicherung zur Hilfe nehmen und so das kurze Stück flott überwinden. Wer glaubt hier oben nur mehr Steine und Felsen zu sehen wird eines besseren belehrt. Wie eingangs erwähnt ist Traten eine Bezeichnung für Weideflächen und so sprießt hier teilweise saftiges Grün an den Hängen hervor und Blumen zwängen sich durch das Gestein.

Blume

Sehr zu Freuden mancher Tiere, und so gelingt mir auch ein guter Schnappschuss von einem kleinen gefiederten Begleiter.

Vogel

Da unsereins jedoch keine Flügel hat, müssen wir natürlich unsere Beine und Hände zur Fortbewegung nutzen, wobei an dieser Stelle erwähnt sei, dass die Hände nur sehr selten in Aktion treten. Trotz der teilweisen Steil- und oftmals Ausgesetztheit ist es hier fast immer noch Gehgeländer und dennoch nicht zu unterschätzen. Mehr Sorge macht uns jedoch heute das Wetter, das wirklich nicht weiß, was es will. Kommt nun diese große graue Wolke? Bleibt sie, wo wie ist oder entscheidet sie sich doch für einen ganz anderen Weg? Da sie sich nicht entscheiden kann, müssen wir uns entscheiden und legen mal eine kurze Rast ein um das weitere Vorgehen zu überdenken.

Das Wetter nimmt uns die Sicht zum Gipfel

Das Wetter nimmt uns die Sicht zum Gipfel

Es ist auch bald ausdiskutiert und wir entschließen uns dazu den Gipfel doch noch zu besteigen, da die Wolken eigentlich schon länger dort oben herum kreisen und nie wirklich bedrohlich wurden. Also weiter auf dem Kamm und wunderschönem Grat, welcher leicht machbar ist und nie Schwierigkeiten aufweist. Auf alle Fälle macht es uns Spaß und das Wetter scheint auch halbwegs stabil zu bleiben.

Der Gipfel schon in greifbarer Nähe

Der Gipfel schon in greifbarer Nähe

Bald kommt auch der letzte Aufschwung, welcher von der nördlichen Seite  zu nehmen ist. Ist man für diesen Gipfel jahreszeitlich etwas früher dran, kann es leicht passieren, dass man an dieser Stelle noch etwas Schnee, oder wie es mir mal untergekommen ist, harter Schnee bzw. Eis vorfindet. Hier ist dann doch etwas Vorsicht geboten. Dieser Aufschwung wird im Führer mit einem I-er bewertet. Diese Bewertungen sind meiner Meinung nach jedoch immer mit Vorsicht zu genießen und meist davon abhängig, wie es hinter oder neben einem bergab geht. Dieser I-er ist jedoch leicht machbar und beinhaltet doch nur wenige Höhenmeter.

I-er Aufschwung zum Gipfel

I-er Aufschwung zum Gipfel

So erreichen wir nach guten 2 Stunden den heiß ersehnten Gipfel, der in unserer heurigen Sammlung der vorerst höchste ist (was sich jedoch bald danach geändert hat). Das Buch weißt noch nicht viele Einträge auf. Ein einzelnes Blatt wurde bis dato voll geschrieben.

Gipfelkreuz der östlichen Walderkampspitze

Gipfelkreuz der östlichen Walderkampspitze

Der Weg retour ist derselbe, mit der Ausnahme, dass wir noch rasch den Klettersteig (?) zum Hundskopf mitnehmen und sodann über den Südostgrat absteigen.

Fazit: Warum dieser Gipfel nur selten bestiegen wird, obwohl man ja schon am Hundskopf ist, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Mir soll es recht sein, da so die Strecke über den Grat / Kamm recht einsam ist. Schwindelfreiheit und wie fast überall im Karwendel Trittsicherheit ist auf alle Fälle erforderlich und für den letzten Aufschwung zum Gipfel ist für den einen oder anderen eher ungeübten Bergsteiger sogar etwas Überwindung notwendig. Wer schon vorm Hundskopf oder in der Mandele-Weibele-Scharte wackelige Knie bekam, sollte das Weitergehen ordentlich überdenken.

Höhenmeter: gerade mal 1053 – also easy 🙂
Strecke: das ist Bergsteigen, also ist die Entfernung egal. Dennoch 🙂 6,8 km (hin und retour)

Comments are closed