Der zahme Kaiser – oder etwa doch nicht zahm?

Wilder Kaiser – sicher schon gehört – vielleicht sogar schon mal dort gewesen. Man kennt den Scheffauer, die Ackerlspitze und ja natürlich: die Ellmauer Halt.
Walchsee – auch schon gehört – und sicher ja, auch schon dort gewesen.
Zahmer Kaiser – ein Begriff. Und, schon mal dort gewesen? Irgend einen bekannten Gipfel im Kopf? Nein? Kaisertal? Ja kennt man…. ach das ist der “Eingang” zum Zahmen Kaiser?
Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber wenn man sogar Einheimische, die quasi um die Ecke wohnen, fragen kann, wo denn die Pyramidenspitze oder das Petersköpfl sei, bekommt man ein Schulterzucken. Keine Ahnung. Unser Ziel ist auf alle Fälle das Petersköpfel. Nur nicht vom Kaisertal (Kufstein) sondern von Durchholzen (kurz vor derm Walchsee) aus.

Hier startet unsere heutige Tour.

Hier startet unsere heutige Tour.

Dazwischen liegen einige Gipfel, wovon jedoch nur die Pyramidenspitze wirklich erwähnenswert ist. Dort führt auch ein kleiner Klettersteig hin(nichts aufregendes, aber dennoch).

Also kurz noch, wie man da überhaupt hinkommt: bei Durchholzen gibt es eine Sommerrodelbahn. Bei dieser verlässt man die Hauptstraße und fährt Richtung Süden, Schilder weisen auch bereits den Weg. Rechter Hand bei einem Bach kommt dann ein Parkplatz von wo aus wir loswandern. Vorerst mal auf asphaltierter Straße, aber nicht wirklich lange. Die Wegweiser sagen es uns an: Pyramidenspitze: 2 1/2 und Vorderkaiserfeldenhütte 4 Stunden. Das Petersköpfl steht hier nicht angeschrieben, macht man diesen eigentlich von der anderen Seite, von der eben genannten Hütte aus.

Richtung Winkel Alm

Sobald man die Asphalstraße verlassen hat, geht ein gut markierter Steig vorerst Richtung Winkelalm weiter, diese lässt man jedoch rechts liegen. Von da an macht ein Schild mit der gewohnten Aufschrift aufmerksam, dass man für den weiteren Verlauf der Strecke geübt sein sollte. Also doch nicht so zahm?

Richtung Pyramidenspitze

Noch ist er aber wirklich zahm der Kaiser und man genießt sogar kurz die Aussicht  zum Walchsee, welche auch ein älteres Paar genießt.

Blick Richtung Walchsee

Blick Richtung Walchsee

Doch die andere Seite zeigt die Schroffheit des kleinen Bruders des Wilden Kaisers. Für mich als “Karwendler” ein gewohntes Bild: Felsen, Schrofen, Reisn…. Auf diesem Weg muss man auf jeden Tritt achten. Nicht, dass man abstürzen könnte, aber ausrutschen oder ähnliches und somit Steine in Bewegung setzen, was für Nachkommende oder solche, die schon wieder beim Abstieg sind, zur kleinen Bedrohung werden könnte. Vorsicht ist also angesagt. Auch als der Seilversicherte Abschnitt beginnt sollte jeder Tritt genau platziert sein.

Der Beginn des Klettersteiges

Der Beginn des Klettersteiges

Eigentlich hätten wir noch die Jovenspitze in Aussicht gestellt, finden aber den Weg, falls denn überhaupt einer vorhanden sein sollte, nicht. Ein Einheimischer erklärt uns nur, dass es am Grat entlang gehen müsste. Aufgrund der anstrengenden Vornacht, brechen wir diese Aktion jedoch ab und gehen auf dem Kamm weiter, der uns auch schon an das Ende des Klettersteiges bringt, wo noch eine Leiter zu bewältigen ist. Bald haben wir dann den Gipfel nach guten 2 1/2h erreicht. Uns liegt noch das Bierchen von 4 Uhr Morgens im Magen 🙂
Das Wetter ist nicht gerade berauschend hier oben und ein kalter Nebel zieht auf, wodurch wir nicht wirklich lange verweilen. Wir blicken nochmals zurück zur Jovenspitz und machen uns gleich weiter auf den Weg zum Petersköpfl.

Blick Richtung Jovenspitze

Blick Richtung Jovenspitze

Es ist hier ein stetiges aber sanftes Auf und Ab und immer wieder müssen wir sogar Schneefelder queren. Hier oben erblicken wir auch bereits die Gipfel des Wilden Kaisers, welche zum Greifen nah erscheinen.

Blick Richtung Wilder Kaiser

Nach weiteren 80 Minuten befinden wir uns auch schon auf dem Petersköpfel. Die auf der Karte verzeichneten Gipfel Elfer-, Zwölfer- und Einserkogel sind nicht wirklich Gipfel, denn man bemerkt sie irgendwie gar nicht und streift sie quasi im Vorübergehen. Am Petersköpfel ist es auch ein wenig wärmer und wir genießen unsere Jause. Der Blick ins Inntal ist heute dennoch etwas getrübt, doch die Naunspitze zeigt sich allemal in voller Pracht.

Blick Richtung Naunspitze und ins Inntal hinab

Blick Richtung Naunspitze und ins Inntal hinab

Hatte ich bereits erwähnt, dass wir auf der gesamten Tour ziemlich alleine sind. 4 Wanderer Richtung Pyramidenspitze überholt, einen auf dem Petersköpfel getroffen und das war es dann auch schon 🙂
Also weiter geht es zum letzten Gipfel: der Naunspitze. Diese wird oft ziemlich rasch von der Vorderkaiserfeldenhütte aus bestiegen, ist es doch nur eine knappe halbe Stunde, die man zurücklegt. Vom Petersköpfel hierher ebenso. Rasch noch ein paar Sonnenstrahlen genießen, ein Gipfelfoto schießen, ehe wir uns entschließen zum wohlverdienten Weizenbier aufzubrechen.

Naunspitze

Auf der Vorderkaiserfeldenhütte scheint auch noch die Sonne und so lehnen wir uns fein an die Wand während wir genüsslich an unserem Weizenbier (eigentlich Russe) schlürfen. Da es jedoch schon ziemlich spät ist und wir noch einen langen Abstieg vor uns haben müssen wir diesen angenehmen Moment leider unterbrechen und steigen durch den Kaiserwald wieder ab. Für alle, die bis hierher gelesen haben und diese Tour auch machen möchten: 2 Autos sind hier wirklich von Vorteil. Am Besten eines bei Ebbs oder Kufstein (Kaisertal) stehen lassen uns eines bei unserem Startpunkt. Wir haben so noch über 8km (einmal etwas falsch abgezweigt) und 2 1/2 h mühsamen Fußmarsch vor uns. Den Alkohol vom Vortag haben wir dadurch jedoch zur Gänze abgebaut….

Fazit: schöner und doch…. ja…. zahmer Kaiser. Nicht wirklich schwer (Für den Klettersteig benötigt man kein Set – meine Meinung) jedoch eine ziemlich lange Tour.

Dauer: reine Gehzeit ca. 8h – wir waren gemütlich unterwegs

Distanz und Höhenmeter: 20km und 1.800hm – aber es ging kürzer, wir sind nicht richtig zur Aschinger Alm gegangen, weil uns der Steig (schon wieder bergauf – ähh) nicht zusagte. Hätten wir machen sollen. Aber nachher ist man immer gscheider 😉

 

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