Larchetkarspitze über Mitterkar

Es gibt Gipfel im Karwendel, die gar nicht so schwierig sind und doch werden sie nur selten begangen. Das liegt daran, dass sie sich entweder hinter beliebten Gipfeln verstecken oder einfach der Zustieg lang bzw. mühsam ist. Bei der Larchetkarspitze trifft beides zu. Auf dem Nachbargipfel der Pleisenspitze wird wahrscheinlich jährlich das Gipfelbuch erneuert. Dieses hier jedoch besteht schon seit 35 Jahren und 2018 sind gerade mal zwei Blätter voll geschrieben.

Wir starten um ca. 08:15 im Hinterautal beim Parkplatz vom Gasthaus Wiesenhof. Fünf Euro sind zu zahlen – weil geschlossen – ansonsten sieben, dafür mit Gutschein. Erstmal geht’s mit dem Rad in Richtung Pleisenhütte. Nach ca. etwas über der Hälfte der zurück zu legenden Höhenmeter (ungefähr vier hundert) geht es richtig zur Sache. Wer hier noch im Sattel bleibt ist entweder verdammt gut trainiert oder einfach ein Beisser. Von uns Fünfen schafft es fast keiner hier nicht abzusteigen. Nur einer beißt durch, muss jedoch bei etwas Schotter kurz mal die Füße auf den Boden stellen. Trotzdem liegt der Vorteil, die ersten acht Hundert Höhenmeter mit dem Bike  zurückzulegen, klar auf der Hand: man kann runter rollen.

die letzten Meter vor der Hütte

Von der Pleisenhütte geht es den normalen Steig Richtung Pleisenspitze. Nach nicht ganz hundert Höhenmeter zweigt der sogenannte “Toni-Gaugg-Steig” zum Karwendelhaus ab: nur für Geübte 🙂 Die Schwierigkeiten bei diesem Pfad kommen erst später, sind aber auch nicht so schlimm. Bis zum Mitterkar ist es ein gemütlicher Weg und wir sehen auch schon unser Ziel vor Augen.

Unser erstes Ziel die Larchetkarspitze

Wir erkennen auch gleich, dass dies kein Spaziergang wird. Im Karwendelführer steht’s so beschrieben: Leicht aber mühsam. Und das ist es teilweise auch. Eine perfekte Linie über das Geröll zu finden ist quasi unmöglich. Man geht halt da, wo es einem am Besten vorkommt, was nicht heißen muss, dass es wo anders besser ginge. So sucht sich auch teilweise jeder seinen eigenen Weg.

Sieht sportlich aus

Wir halten uns dann gleich mal nahe am Fels und stellen fest, dass das Karwendel seinem Ruf gerecht wird. Man kann quasi nur jeden zweiten Fels fest in den Griff nehmen, der Rest bricht ab. Bald haben wir jedoch diesen mühsamen Teil hinter uns gebracht und es geht die letzten 80 bis 100 hm in einer Rinne kletterbar bergauf. Beschrieben steht 3- welches durch das Seil jedoch auf einen 2er herunter gestuft wird. Wir verwenden es jedoch nicht, wir wollen ja ein wenig kraxeln. Beim herunter Gehen leistet es uns jedoch wertvolle Hilfe. Jedenfalls muss man auch hier immer wieder aufpassen, dass man keinen Fels los bricht. Ein Helm wäre hier wahrscheinlich nicht so verkehrt gewesen.

Der Gipfel bietet für uns alle genug Platz und wir legen eine Pause mit Jause ein. Man hat hier oben einen grandiosen Ausblick und sehen auch sehr gut den weiteren Wegverlauf und unser nächstes Ziel, die Pleisenspitze. Wir überlegen (oder einige von uns überlegen) ob man nun den Block der uns im Weg steht überklettern sollen (das bedeutet die richtige Linie suchen und finden) oder mühsam im Geröll runter und dann wieder rauf. Wir entscheiden uns für die mühsame Variante und sehen danach, dass es wahrscheinlich nicht allzu schwierig möglich gewesen wäre. Ob es Zeitersparnis gebracht hätte können wir nur raten und werden wir nie in Erfahrung bringen.

Unser Einstieg zum Normalweg am Bild mit Pfeil gekennzeichnet

In der Rinne erwartet uns nochmal etwas leichte Kletterei mit Steinschlaggefahr. Apropos Steinschlaggefahr: auch im Geröll (für eine Reisn ist das Gestein zu grob) muss man vorsichtig sein. Im Nachhinein betrachtet sollte man es so wie bei Skitouren mit dem Abfahren handhaben: nicht gleich hinter einander. Ein Stein kam mit erhöhter Geschwindigkeit ins Springen und einige von uns hatten ziemliches Glück. Also so etwas doch besser nebeneinander gehen oder sich zumindest gleich mal aus der Lauflinie des Hintermannes begeben.

Auf der Pleisenspitze genießen wir dann unser hinauf getragenes Bier und die tolle Aussicht. Für mich ist dieser Gipfel nichts Neues, bin ich ja bereits im Winter wie im Sommer einige Male hier oben gewesen. Der Rest muss nun auch nicht weiter beschrieben werden. Der Abstieg ist ziemlich simpel, also eine der leichtesten ‘Großen’ des Karwendels. Bei der (leider geschlossenen) Pleisnhütte machen wir nochmals Rast bevor wir dann mit unseren Rädern nach Scharnitz runter fahren und dort endlich das wohlverdiente kühle Bier genießen. Oder waren es zwei… oder drei? 😉

Fazit:
Lohnenswerter einsamer Gipfel im Karwendel. Nicht sonderlich schwierig aber mühsam. Es hat aber nie jemand gesagt, dass Bergtouren einfach sind.
Höhenmeter:
nicht ganz 1.900 Überklettert man den Block sind es ca. 120 hm weniger
Strecke:
20 km
Dauer:
Wiesenhof – Pleisenhütte: 1h 10min
Pleisenhütte – Larchetkar: 1h 45min
Larchetkar – Pleisenspitze: 1h 20min
Pleisenspitze – Pleisenütte: gemütliche 50min
Pleisenhütte – Wiesenhöfe: 16min 35sec 🙂
summa summarum: 5h 21min
Inklusive Pausen (also vom Start Wiesenhof bis zum Bier) vergingen 6h 45min

Comments are closed.