Glättespitze

Oder: Es muss nicht immer der Habicht sein

Die Glättespitze war schon mal ein Ziel von Nina und mir im Jahr 2015, als wir uns entschlossen eine Nacht auf der Innsbrucker Hütte zu verbringen und den anschließenden Morgen den Habicht zu besteigen. So entschlossen wir uns damals am Tag der Anreise die Glättespitze doch gleich mitzunehmen. Aufgrund der damaligen fehlenden Markierungen und dem damit einhergehenden Mehr an Zeit und somit der wohl unterschätzten Dauer wurde das Unternehmen vorzeitig abgebrochen. Heute war ein neuer und diesmal erfolgreicher Versuch mit einem Bergfreund.
Gipfelbuch

Gipfelbuch

Wir starten gegen 07:30 Uhr in Neder (kurz vor Neustift) und legen die ersten acht einhalb Kilometer und ca. 750 Höhenmeter durchs Pinnistal bis zur Karalm mit dem Mountainbike zurück. Einige beachtliche Steigungen müssen hier schon gemeistert werden und die Strecke ist nicht zu unterschätzen. So benötigen wir bis zur Alm 1h und 18min. Wir hörten beide zwar von verschiedenen Personen, dass der neue Weg bis zur Innsbrucker Hütte mit dem Bike befahren werden kann, aber da haben diese wohl das e-bike gemeint. Wir schreiten den weiteren Weg zu Fuß an.
Pinnisalm

Pinnisalm

In gut einer Stunde haben wir den Anstieg zur Hütte hinter uns gebracht, nehmen noch einen Schluck Wasser, ich esse einen Riegel, Clemi quatscht noch kurz mit der Wirtin, dass wir bald wieder kommen und weiter geht es den Stubaier Höhenweg. Von der Hütte herunter sind uns schon einige Wanderer begegnet, die wahrscheinlich oben übernachtet haben. Auf dem Höhenweg ist es jedoch schon ruhiger. Nur ab und zu hören wir ein Murmele piepen.
Von meinem damaligen Versuch, weiß ich noch ungefähr wie der Wegverlauf ist. Diese Information benötigen wir jedoch nicht, da seit dem letzten Mal sich doch etwas geändert hat. Ein Schild weist gleich darauf hin, dass man hier zur Glättespitze abzweigen muss. Damals war die Wegbeschreibung so, dass man beim ersten großen Steinmandl nach Nordosten gehen muss und dort weitere (kleinere) Steinmandln suchen muss. Diesmal ist alles gut markiert.
Wegweiser zur Glättespitze

Wegweiser zur Glättespitze – gab es 2015 noch nicht

Dass wir uns damals wunderten, wie der Weg verlief und ob wir wirklich richtig gingen, ist eher verständlich. Mit den Markierungen ging es uns aber nicht viel anders. Wir kamen schneller voran, ja, aber wunderten uns trotzdem. Dennoch ist bei genauerer Überlegung und nachträglicher Routenforschung klar, dass dieser Weg wahrscheinlich der einfachste sein müsste. So geht es trotzdem langwierig über Blockgestein und Geröll auf- und ab. Vor der letzten Geländestufe endet jedoch jede Markierung. Im Prinzip kein Problem, haben wir ja jetzt den Gipfel vor Augen und wissen so das Ziel. Aber den Weg dorthin müssen wir selbst finden.
Der Gipfel ist linker Hand

Der Gipfel ist linker Hand

Das finden wir ein wenig eigenartig. Entweder ganz oder gar nicht, aber nicht kurz vor dem Gipfel (immerhin sicher noch eine gute halbe Stunde dort rauf) einfach Ende. Und einer weiteren Gipfelbesteigerin erging es ebenso. Und auch beim bergab gehen keinerlei Markierungen. Auf alle Fälle entscheiden wir uns nicht mühsam über die linke schrofige, geröllige Flanke zum Grat zu gehen sondern ziemlich die direkte zu nehmen. Auf dem Bild Mitte links durch das rote Gestein. Anfangs habe ich noch Bedenken, bin ich doch lang nicht mehr in solch einem Gelände unterwegs gewesen. Aber nach ein paar Höhenmeter hat sich das dann bereits wieder gelegt und wir sind gemütlich am Grat angelangt. Dort bleibt man meist entweder direkt am Grat oder auf der linken Seite. Nie rechts gehen, auch wenn es manchmal einladend aussieht. Und vor allem jeden Stein besser zweimal prüfen, auch die Großen!
Gipfelkreuz der Glättespitz 

Gipfelkreuz der Glättespitz 

Nach ungefähr dreieinhalb Stunden Gehzeit (von Karalm aus) haben wir unser Ziel erreicht. Oben erwartet uns zwar keine traumhafte Aussicht, das Wetter ist uns dennoch gnädig. Den Habicht sehen wir von hier aus nur verschleiert. Erst beim runter Gehen haben wir freien Blick auf sein Gipfelkreuz.
Blick zum Habicht

Blick zum Habicht

Runterwärts gehen wir anfangs noch den Grat und dieser erweist sich als leichter als beim Aufstieg gedacht. Später dann biegen wir frühzeitig wieder Richtung Südwesten ab und erfreuen uns über die Restschneefelder, die man hier immer noch findet. Erleichtern sie so den Abstieg und machen nebenbei auch noch Spaß.
Fast wie Figln

Fast wie Figln

Wir gehen dann direkt bergab zum Stubaier Höhenweg. Dieser Weg ist zwar merklich länger und uns erwarten auch noch einige Höhenmeter doch wir ersparen uns die Wanderung über den Geröllhaufen. Die Küche schaffen wir so leider nicht mehr. Da ist um 15:00 Uhr Schluss auf der Innsbrucker Hütte. Eine Kleinigkeit zum Essen und a Bier bekommen wir dennoch allemal. Und mein selbst angesetzter LatschenKiefer mundet auch (natürlich bereits am Gipfel) 🙂
Fazit:
Wunderschöne, einsame aber lange Tour. Wenn man einen Tag gut Zeit hat, leicht zu machen
Höhenmeter:
Fast 1.700 hm mit allen Gegenanstiegen
Strecke:
Beachtliche 17,6 km. Diese nur zu Fuß
Dauer:
Von der Karalm bis zur Spitze und wieder retour benötigten wir etwas mehr als sechs Stunden. Ist aber sicher auch rascher zu machen. Ich habe nur wie so oft Milch gegeben 🙁

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