Der Hirzer als Sommerwanderung

Wenn man einen Gipfel als Ziel auserkort, auf dem man noch nie gewesen ist, dann macht man das auf eine ganz bestimmte Weise. Also ich mach das auf eine ganz bestimmte Weise: Erst lege ich mir mal die Gegend fest. Soll es das Karwendel sein, der Rofan, die Tuxer….. Dann grenze ich mal ein: Nord, West, Ost, Süd oder so in der Art. Dann nimmt man sich mal ein paar Gipfelchen und je nachdem, wieviel Zeit ich habe, fällt dann die Entscheidung. Und dann, wenn die Entscheidung gefallen ist schau ich mir mal an, wie man da überhaupt hoch kommt. Also, wo man startet, wo man lang geht, ob es Alternativen gibt, wie schwierig es ist usw…. Tja meine Entscheidung ist gestern auf den Hirzer gefallen. Aber such da mal eine Tourenbeschreibung, die was taugt und den Gipfelsieg für den Sommer und nicht für den Winter beschreibt. Eine schwierige Aufgabe, was den Hirzer angeht.

Povers Alpe

Und dann finde ich eine auf hikr.org. Auf hikr.org findet man fast alles, so auch diese Tour. Und dann steht dort was von neun Stunden und Schwierigkeit T3 – Anspruchvolles Bergwandern. Hallo? Das kann doch so nicht ganz stimmen. Für 1.400hm zum Wandern neun Stunden und anspruchsvoll? Ich sehe mir das Ganze auf der Kompasskarte an. Ich messe die Strecke nicht ab, aber glaube nie und nimmer, dass man für diese Tour so lang unterwegs ist. Was solls, ich habe bis Mittag Zeit. Sollte sich ausgehen 🙂

Ich starte um 07:00 Uhr beim Parkplatz kurz vor dem Gasthaus Haneburger und muss dann gleich feststellen, dass der Sommertourismus hier nicht wirklich groß geschrieben wird. Angeschrieben ist hier gar nichts, nicht mal die Povers Alm, geschweige denn irgendein Gipfel. Also muss man entweder den Weg im Kopf (aufgrund der Tourenplanung vom Vortag), eine Karte dabei oder einen digitalen Helfer wie apemap am Smartphone haben. Ich entscheide mich dafür das ganze gleich querfeldein zu starten. Vielleicht finde ich auf diesem Weg auch gleich ein paar Schwammerlen – was leider nicht so war.

Einmal anschreiben muss genügen. Schild bei der Poves Alpe

Nach gut einer Stunde erreiche ich dann die Poves Alpe und eine halbe Stunde später den Hochleger. Interessant in dieser Hinsicht: auf dem neuen Schild (wie man sie halt so sieht und kennt) steht Povers, auf der Kompass- wie auf der AV Karte steht Pofers und auf einem älteren Schild (so wie jenes vom Hirzer oben) steht Poves (Alpe). Ist aber alles dasselbe 🙂 Auf dem Hochleger nehme ich kurz nochmal apemap zur Hand und schau mal wo es lang gehen soll und finde mich gleich zurecht. Markierungen sind hier spärlich und wenn dann schon sehr alt und schlecht sichtbar. Steinmandln weisen da den Weg schon etwas besser. Hinzu kommen auch noch durch das Wetter bedingte Navigationsprobleme. Hatte ich erwähnt, dass es gestern den ganzen Tag geregnet hat und ich auch an diesem Tag mit Regenhose und -jacke starten musste? Nun ja, wie man am nächsten Bild unschwer erkennen kann hat es hier oben nicht geregnet, nein – sondern geschneit, am 19. August – auch nicht schlecht.

Ein gut erkennbares ‘Steinmännchen’

Jedenfalls haben mir heute meine Goretex-Schuhe auch nicht wirklich viel genützt und ich bin bis auf die Zehen durchnässt. Aber irgendwie habe ich soeben den Faden verloren und finde grad den Anschluss nicht mehr. So oder so bin ich dann irgendwie – zum Schluss habe ich leider keine Markierungen mehr gesehen – am Gipfel angekommen, und zwar nach ziemlich genau zwei Stunden und 37 Minuten. Ich möchte wirklich wissen, was der neun Stunden auf diesem Berg getan hat – also der, der den Bericht auf hikr.org geschrieben hat. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht einfach durch gegangen bin, sondern einerseits immer wieder geschaut habe, ob ich richtig bin und das eine oder andere Foto auch gemacht habe. Aber neun Stunden??? Also wahrscheinlich fünf rauf und vier runter. Egal…. oben hatte ich nochmal das Vergnügen der Sonne zu begegnen, sonst habe ich niemanden dort oben gesehen. Außer auf der Alpe und dem Hochleger einige Menschen. Aber die arbeiten ja da. Also ich habe keinen Gleichgesinnten und schon gar keine Gleichgesinnte getroffen. Also nur die Sonne dort oben. Dennoch musste ich mir zum Runtergehen die Jacke anziehen, die Kappe aufsetzen und auch die Handschuhe durften nicht fehlen. Alles im Rucksack – yes!

Da Hirzer

Trotz fehlender Aussicht war es hier oben wirklich toll – also eigene Atmosphäre und so – Wolken, Sonne, Schnee, Fels…. Dennoch musste ich natürlich ans Hinuntergehen denken – wie gearde eben erwähnt mit etwas mehr am Körper. Praktisch waren meine Fußspuren, denen brauchte ich nur zu folgen, Habe ich aber nicht, weil ich plötzlich Markierungen gesehen habe und diesen folgte. Ab und zu überschnitten sie sich auch mit meinen Spuren, aber eher selten. Dann waren sowohl Spuren als auch Markierungen nicht mehr zu sehen. Aber die großen Steinmännchen waren noch da. Denen folgt man dann. So und dann kam es, dass ich auch diese nicht mehr sah. Ich wusste ich muss eine Schleife machen. Erst nach Südost, dann nach Nordwest. Das Eigenartige war mein Kopf. Der dachte zu dieser Zeit nicht an apemap und so entschloss ich mich für den direkten Weg nach unten, denn rechts drüben sah man ja den Poverschen Hochleger und das Gelände weist jetzt auch keine wirklichen Gefahren auf. Bis auf das, dass man etwas aufpassen musste nicht auszurutschen, aber ansonsten.

Also das meint man dann wahrscheinlich mit anspruchsvoller Bergwanderung. Ich hielt mich auf alle Fälle vorerst an einen Weidezaun. Also nicht ‘fest’ sondern er wies mir den Weg, denn da wo ein Weidezaun ist, müssen auch Menschen gegangen sein und dann passt das auch. Irgendwann hab ich aber dann doch einen Schwenker nach rechts gemacht und blieb oberhalb des “Normalweges” und landete irgendwann wieder am Hochleger. Der Rest…. ein wenig anders als rauf – etwas mehr Forstweg – aber ansonsten ziemlich ähnlich.

A bissal a Aussicht hatte ich doch

Tja und nach sage und schreibe vier Stunden und 28 Minuten inkl. aller Pausen, Wegfindungen und Fotografieren bin ich dann wieder beim Auto gewesen. Und echt, ich hab mich nicht gestresst.

Fazit:
Viele Gipfel werden zu unrecht im Sommer nicht begangen. Nun ja, es ist nicht Bergsteigen es ist wandern – für mich – aber die landschaftliche Faszination ist bei sehr vielen vorhanden. Und so auch beim Hirzer. Umso mehr finde ich es schade, dass hier nicht wirklich etwas für die Wegerhaltung getan wird. Keine Ahnung wer die Steinmännchen wartet aber der Weg wird weit unten von Almrosen und Co überwachsen und oben sind nur spärlich Markierungen vorhanden und wenn dann sind sie teilweise schwer erkennbar. Jedenfalls ein lohnenswerter Gipfel, der eine tolle Aussicht zu bieten hat (denke ich).
Höhenmeter:
1.400
Strecke:
So wie ich gegangen bin exakt 16 Kilometer.
Dauer:
viereinhalb Stunden. Das ist echt machbar.

 

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