Tagebuch eines Trailrunners…..

….oder: warum Sport nicht immer Sport ist.

Ziemlich früh verlasse ich heute das Büro, hab ich doch vor, noch ca. 1.500 hm zu machen. Um mein Ziel zu erreichen, mach ich die ersten Höhenmeter mit dem Fahrrad. Knappe 500 Höhenmeter und 5,5 Kilometer werden da zurückgelegt um überhaupt zum Ausgangspunkt zu kommen. Ich lebe in Tirol und sehe es nicht ein, dass ich für meine Laufrunde irgendwohin mit dem Auto fahre. Manchmal ja, aber da muss ich es wirklich verdammt eilig haben. Für eine schnelle Runde laufen oder ‘speed hiken’ bleibt das Fahrzeug jedoch in der Garage und man schwingt sich für die Anfahrt auf den Sattel.

Ich stoppe die Uhr, versperre das Rad und packe die Stöcke aus. Der Blick immer wieder gen Himmel gerichtet. Habe davor gerade mit meinem Nachbarn gesprochen: “Ich glaube das Wetter hält”, meint er. Tja, aber das hier ist das Halltal und nicht das Inntal. Ich schätze die Wolken so ein, dass sie nicht bedrohlich sind. Ich gehe also Richtung Bettelwurfreisn (Reisn: Tiroler Wort für eine Schotterrinne). Nochmal ein Blick nach oben: sieht nicht gut aus. Dann plötzlich spüre ich etwas auf meiner Haut: Regentropfen. Ach, das passt schon…. die paar Tropfen, und weiter und stopp. Es fängt stärker an zu regnen. Ich halt ein und genieße die warme Luft zwischen den Latschen und das Nass auf der nackten Haut. So oder so, ich dreh um, zurück zum Rad.

Stöcke wieder zusammen klappen, einpacken, aufsitzen und ab. “Das kann es doch nicht gewesen sein?”, denke ich mir und beschließe von zu Hause aus noch eine Runde zu laufen. Während ich so bergab fahre, nimmt die Schauer wieder ab und es hört gänzlich auf. Ich biege bei der Kapelle ab Richtung Maximilian Bründl und beschließe noch weiter zur Schäfer Hütte zu laufen. Kurz vor der Sprungschanze hänge ich mein Bike an einen Baum, Stöcke wieder raus und los geht’s. Ich schau mal, wie weit ich trocken komme. Ich gehe meinen gewohnten Weg. Hier treffe ich verdammt selten jemanden. Den Steig später zur Schäfer Hütte hatte ich bis jetzt immer komplett allein.

Ich drehe mich um und werde langsamer. Graue Wolken kommen auf mich zu und zwingen mich zum Überlegen: weiter oder wieder nach unten? Ich wende den Blick wieder nach vorne und werde vom blauen Himmel förmlich weiter nach oben gezogen. Meine Schritte werden schneller und ich lächle, weil es mir gut tut. Der Weg ist abwechslungsreich. Wald, Wiese, Stein, Wald und dann bin ich schon beim Fallbach, welcher kurz vor der Schäferhütte nach unten fließt und der im Tal dann ein beliebtes kurzes Ausflugsziel für Familien ist, die mit ihren Kindern zum Wasserfall spazieren. Ich stoppe meine Uhr bei der Hütte und genieße ein wenig die Ruhe und den Blick ins Inntal.

Es regnet an vereinzelten Stellen, bei mir ist alles trocken. Nach ein paar Schlücken und einem Riegel starte ich wieder meine Fenix3 und laufe los. Ich überlege während des Laufens ob Halltaler  oder Winkler Hütte. Da der Weg zur Halltaler nicht wirklich gekennzeichnet ist entscheide ich mich, obwohl ich ihn schon mal gelaufen bin, dagegen und schlag den Weg zur Alpensöhne Hütte (=Winkler Hütte) ein. Diese erreiche ich auch nach einer knappen viertel Stunde, kurz ins Halltal geschaut und dann gleich wieder bergab. Der Halltaler Hütte wird auf diesem Weg dann doch noch ein Besuch abgestattet, wenngleich jetzt “Besuch” übertrieben ausgedrückt ist, ich spring ja nur vorbei.

Der Wald spuckt mich dann kurz vor dem Maximilianbründl wieder aus und ich spaziere die letzten paar Meter zurück zum Rad. Außer von meinem eigenen Schweiß bin ich dann doch trocken geblieben. War eine geile Runde mit doch fast 600hm – inkl. Rad sogar etwas über Tausend.
Am nächsten Tag darf Nina mir dann in der Kniekehle eine Zecke entfernen. Es fängt also wieder an, und mich haben sie besonders gern…..

Und? Lust bekommen? Also nicht auf Zecken, die mögen ja fast nur mich 😉 Aber mit dem Laufen! Glaub mir: es kann wirklich Spaß machen! Man darf es nur nicht immer so eng sehen. Ich sehe es zum Beispiel nicht (immer) als Sport. Es ist meine Freizeit und ich will mich bewegen.

Es ist nämlich der Kopf, der es zu dem macht, was man dann am Ende fühlt.

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