Die gewaltige Macht der Gewohnheit

oder…. warum man Vieles nicht tun muss, nur weil man es immer so getan hat.

Ich nenne es nicht Gewohnheit – ich nenne es Sucht. “Sucht?”, wird man sich jetzt fragen. “Das ist doch ganz etwas anderes”, wird man jetzt sagen. Und jetzt gar nicht mehr weiter lesen, sondern morgen einfach die Schale Kaffee, die Tasse Tee, das Müsli oder das Honigbrot oder was auch immer weglassen. Dann, je nachdem welches Gefühl es war, kommst du morgen wieder und liest weiter.

coffee & cigarettes

Und? Was war es für ein Gefühl? Kein Problem? Die zweite Tasse Kaffee einfach schon früher getrunken? Irgendwie total doof dagestanden beim morgendlichen Tratsch, bei dem alle ihre Tassen in der Hand hielten und es so herrlich nach Kaffee gerochen hat? Am liebsten gesagt: “Was tu ich da eigentlich? Das ist doch nur ein Blogeintrag von irgendeinem Typen? Ich hol mir jetzt meinen Kaffee!” Gewohnheit oder doch ein wenig Sucht? Gewohnheiten sind Rituale. Rituale werden zur Sucht.

Okay, ich geh zu weit. Lassen wir mal das Wort “Sucht” außen vor. Aber nein, darum geht es mir ja. Es geht mir darum etwas zu ändern. Warum sollte ich aber Gewohnheiten bzw. Rituale ändern? Soll ich jetzt am Morgen nicht mehr gleich die Zähne putzen? Nein, um solche Dinge geht es mir doch gar nicht. Es geht um Dinge, die man quasi schon täglich macht, aber nicht sein müssen. Um die Dinge, die uns Zeit stehlen. Die Dinge, die uns krank machen (könn(t)en). Die Dinge, die man aus Gewohnheit, eben schon täglich und immer wieder tut, und bei denen man, wenn man genau überlegt, sich fragen kann: “Warum tu ich das überhaupt?” o.k. das könnte man jetzt bei ganz vielen Dingen fragen und das artet dann in Sinn und Unsinn aus. Mir geht es darum, es sich selbst zu beweisen, dass manche Gewohnheiten, sich auch abgewöhnen lassen.

Der Kaffee – muss nicht sein.
Die Zigarette zum Kaffee – schon gar nicht.
Das Bier am Abend – doch nicht jeden Abend, bitte!
Facebook – da gibt es auch schon fixe Zeiten. Kann man das eine oder andere mal weglassen.

Also doch Suchtmittel! Ja, in gewisser Weise. Facebook kann auch Sucht sein 😉 Aber ich behaupte – und nun sage ich im Prinzip das Gegenteil, wie eingangs erwähnt – dass Sucht nicht existiert! So jetzt soll das einer verstehen. Na, ja, wenn ich behaupte: Gewohnheit ist gleich Sucht, dann ist Sucht gleich Gewohnheit. Kennt man irgendwie aus der Mathematik 🙂

Also Sucht ist Gewohnheit und das kann man sich abgewöhnen. Und nun komme ich zum Eigentlichen des Themas: ich bin ein kleiner Zahlenfetischist. Ich weiß, wie viel Bier ich pro Tag durchschnittlich trinke, wie viel Zigaretten ich pro Tag rauche – ja, ich rauche 🙁 oder wie viel Tassen Kaffee ich pro Tag zu mir nehme. Demnächst werde ich auch mitprotokollieren, wie viel Stunden ich sinnlos auf FB und Co. verbringe. Und da bin ich auf die Idee gekommen, alles mal weg zu lassen: kein Bier, keine Zigaretten, kein Kaffee, nichts. Und: es fühlt sich komisch an, aber es funktioniert. Das Interessante: es fühlt sich wirklich nur komisch an! Nicht mehr und nicht weniger. Mein Durchschnitt an Bier war über einem Liter pro Tag – also zwei Bier. Alkoholiker quasi.

beer

Dann kam ein eigenartiger Moment. Ich kaufte mir neue Laufschuhe (schon wieder) und ging 14 km zu Fuß nach Hause. Nicht laufen, sondern gehen und deswegen genügend Zeit zum Nachdenken. Und da kam mir der komische Gedanke: Wie lange müsste ich kein Bier trinken, damit ich das Geld, das ich soeben für die Schuhe ausgegeben habe, wieder rein gebracht habe. Nicht, dass ich am Hungertuch nage und mir nicht (schon wieder) neue Laufschuhe leisten könnte. Es ging mir ums Prinzip. Es ging mir darum, einfach eine Gewohnheit los zu werden und dies mit einer Begründung. Sei sie noch so eigenartig. Und es klappte. Im Monat November sank der Durchschnitt am Bierkonsum auf unter 0,5 Liter und in den letzten drei Wochen war es nicht einmal ein Barpfiff pro Tag. Das war mir aber zu wenig. Es müssten 110 Bierlose Tage sein, damit ich das Geld für die Schuhe gespart hätte. Also auch noch die Zigaretten. Bis dahin war der Durchschnitt auf fünf Zigaretten täglich. Im Monat November nur mehr zwei und in den letzten drei Wochen überhaupt nur mehr eine.

Der Kaffee, der mich im Prinzip nichts kostet, war dann nur mehr eine Draufgabe. Was ich damit ausdrücken will und auch schon geschrieben habe aber hier nochmal erwähne, damit es auch klar wird: Sucht ist Gewohnheit und Gewohnheit lässt sich abgewöhnen. Man muss nur einen Grund dafür finden, ist er auch noch so verrückt. Es funktioniert aber auch ein Ersatz. Ich gehe dennoch mehrmals von meinem Arbeitsplatz in die Küche, schau nach der Kaffeemaschine, fülle die Bohnen nach und…. mach mir einen Tee. Und statt der Zigaretten auf der Terrasse am Abend, sitze ich entweder vor dem Computer oder lese etwas oder lerne sogar etwas…. für’s Leben 🙂

Ist die Message rüber gekommen? Es geht mir nicht darum, dass jede Gewohnheit schlecht ist. Das muss jeder für sich entscheiden. Es kann auch sein, dass du zu viel läufst. Ist auch nicht gesund. Nur muss man sich mal darüber Gedanken machen und heraus finden, welche Sucht zur Gewohnheit geworden ist oder besser gesagt, welche Gewohnheit zur Sucht wurde. Und dann sucht man sich etwas um es nicht mehr zu tun!

Bei mir hat es funktioniert. Ist ja auch klar, ist ja auch….

….meine Meinung :o)

Comments are closed