Sonntagskarspitze

Und ein paar andere Kleinigkeiten….

Das Karwendel macht es einem nicht leicht seine Gipfel an einem Tag zu besteigen. Wer hier nicht wirklich konditionsstark ist, kommt um eine Hüttenübernachtung nicht herum. Und wenn eines auffällt auf den Hütten: Einheimische nächtigen dort eher selten. Wir machen nämlich unsere Gipfel an einem Tag 😉 und wenn es dabei heißt um fünf Uhr morgens aufstehen. Ganz anders jedoch heute. Ich bin erst um kurz vor halb zehn Uhr Morgens mit dem Rad von meiner Haustür aus weg. Das Vorhaben wurde kurzfristig entschieden und ich wollte wieder mal Michl und Vroni auf der Pfeishütte besuchen. Nicht jedoch, ohne einen Gipfel zu besteigen.

Die Pfeishütte liegt perfekt

Und da bot es sich einfach an, dass ich die Sonntagskarspitze in Angriff nehme. Die fehlt mir nämlich noch in meiner Sammlung der Karwendelgipfel. Also erst mal mit dem Rad ins Halltal. Was das Radfahren anbelangt, komme ich hier bald mal ziemlich ins schwitzen, der Mehrwert den man am Ende der Tour hat macht es jedoch wieder wett. Dennoch habe ich mich bereits bei der 3. Ladhütte entschieden nicht weiterzufahren. So bog ich gleich darauf in Richtung Hirschbadsteig ab und kam so wieder mal in den Genuss des Issangers. Obwohl wir bereits August haben blühen hier noch genug Blumen. Im Frühjahr ist die Blumenpracht jedoch um Einiges schöner.

Issanger - und wer ist das dahinter?

Hat man den Issanger hinter sich gelassen kommt man auf den Weg, der links zu den Herrenhäusern und rechts zum Lafatscher Joch bzw. Wilde-Bande-Steig abzweigt. Ich nehme jedoch das Steiglein gerade aus. Interessant hier die Zeitangaben auf dem Schild:

Eigenartige Zeitangaben

Ja was denn? Lässt man sich vom Stempeljoch zur Pfeishütte etwa schon beamen? Ich würde sagen man entfernt die halbe Stunde für das Stempeljoch, dann stimmt es ungefähr. Weiter wundert mich warum hier so großartig dieser Weg überhaupt angeschrieben steht. Auf den Karten vom Kompass bzw. des Alpenvereins ist er nur schwarz gestrichelt. Auf alle Fälle verläuft sich der Weg ziemlich bald und man muss sich durch die Stempelreisn plagen, was nicht wirklich eine angenehme Tätigkeit beim Wandern ist. Aber auch diese Stück hat irgendwann sein Ende und ich erreiche das Joch.

Kartenausschnitt Stempelreisn

Oben mach ich erst mal Rast und fülle meine Kraftreserven auf, sind es ja doch noch ein paar Höhenmeter, die man leisten muss. Jetzt geht es dann kurz bergab und ich erreiche die Pfeishütte, lass diese jedoch links liegen. Sie ist für später angedacht. Also den Forstweg Richtung Scharnitz runter und dann gleich mal rechts einen Steig hinauf. Hier auch wieder interessant die Zeitangaben (nicht fotografiert) auf den Schildern. Oben am Weg steht für die Sonntagskarspitze drei Stunden, hier an dieser Abzweigung – fünf Minuten später also – zweieinhalb Stunden. So schnell vergeht also eine halbe Stunde. Ich muss an dieser Stelle betonen: ich bin kein sehr guter Wegbeschreiber und erkläre ganz genau über welche Schrofen, Kare, Grate, Verschneidungen usw.. ich den Weg zum Gipfel beschritten habe. Deswegen ist der Rest des Weges nur sehr kurz beschrieben.

Hier noch Wasser anzutreffen ist absolut selten

Also erstmal den schmalen sehr gut markierten Pfad folgen bis sich die Wege trennen: Hintere Bachofenspitz und Sonntagskarspitz. Ersteres habe ich ja schon vor Jahren mal gemacht, also links. Die Markierungen sind hier sehr gut und – sofern man die Augen immer offen hält – schwer zu verfehlen. Bald geht es dann über einen steilen mit Steinen überzogenen Grasrücken. Meiner einer mag so was nicht. Es kann hinter mir einige Meter runter gehen und ich fühle mich wohl, so lang ich Felsen in der Hand habe. Aber hier hab ich nichts. Wenn ich ausrutschen sollte kann ich mich vielleicht noch an einem Grasbüschel klammern. Diese Gedanken verwerfe ich gleich wieder und hab dieses Stück dann auch gleich hinter mir und für mich beginnt angenehmeres Gelände.

Ja, das ist für mich Karwendel :)

Was soll ich sagen: hier mal etwas ausgesetzt, da mal ein wenig zum Klettern, dort ein kleiner Grat, diesen Felsen umgehen wir links usw… bis ich auf einen Rücken und somit dem letzten Stück des Gifpels komme. Unfair: ein paar Bergsteiger sitzen gemütlich auf einem Felsvorsprung und ich nehme an, das ist dann auch gleich der Gipfel. Jedoch weit gefehlt – erst noch der Rücken:

Der 'Hügel' da ist es noch nicht....

Der ‘Hügel’ da ist es noch nicht….

....weil der Gipfel kommt erst da hinten rechts unter der Wolke.

….weil der Gipfel kommt erst da hinten rechts unter der Wolke.

Aber meine Fenix 3 hat es ja eigentlich verraten, dass es Höhenmeter mäßig noch nicht ganz passt. Den Rücken habe ich auf alle Fälle gleich hinter mich gebracht und stehe somit endlich nach ungefähr vier einhalb Stunden am Gipfel. Traumhaftes Wetter, traumhafte Aussicht. Alles einfach traumhaft. Jause, Schnapserl, Genuss….

Traumhafte Aussicht

Dann geht es gleich mal wieder denselben Weg retour. Ich überhole auch die Deutschen wieder, welche zuvor auf dem vorgelagerten Rücken abgestiegen sind. Einer hat seine Sohle vom Schuh verloren – blöd. Beim Grasrücken ein kleines Missgeschick zweier Deutscher: VORSICHT STEIN! Ein ca. Faust großer Stein kommt direkt auf mich zugeflogen. Unter mir der dritte der Deutschen. Ich habe den Stein noch irgendwie mit der Hand berührt worauf er auf den dritten Deutschen zurast. Dieser hat Handschuhe an und wehrt ihn mit der Hand noch ab. Eine Sache die verdammt unglücklich ausgehen könnte. Ich mache die Bergsteiger darauf aufmerksam, dass sie mit dem Weitergehen warten sollen bis wir aus ihrer Schusslinie sind. Er akzeptiert mit einem Daumen nach oben.

Immer wieder schön!

Tja, wie geht es weiter: ich wollte wieder meine Flasche auffüllen, doch die Quelle war fast versiegt. Konnte ihr doch einiges an Wasser abzapfen – mit ein paar Grashalmen. Dann ab zu Vroni und Michl. Ich werde herzlich begrüßt von beiden und genieße zwei alkoholfreie Weizen und stärke mich mit einem sehr guten Speckknödel mit Salat. Danach noch einen Kaffee und noch ein Schnapserl. Dann heißt es für mich wieder weiter. Da ich keine Lust habe ewig über die Stempelreisn zu latschen entscheide ich mich noch zwei Gipfelchen mit zu nehmen: Pfeisspitz und Lattenspitz. Davor noch ein Blick zurück, wo ich heute gewesen bin.

Das Sonntagskar

Also zuerst rauf zum Stempljoch, dann rechts abbiegen um oben links abzubiegen um dann rechts aufzusteigen. Ab hier alles Seil gesichert. Brauch ich nicht, zumindest nicht nach oben. Rüber zur Pfeisspitz ist mir das Seil sogar etwas im Weg und ich bin gezwungen mich daran festzuhalten, weil ich sonst fürchten muss, darüber zu stolpern.

Nochmal hundert Höhenmeter

Das Gelände hier ist ziemlich schroff und beim Abstieg von der Pfeishütte hinunter zum kleinen Verbindungsrücken zur Lattenspitze ist man dann doch froh, das Seil zu haben. Die Lattenspitze ist dann auch bald erreicht und eigentlich will ich von da gar nicht mehr runter. Die Abendstimmung ist herrlich. So genieße ich noch ein Zirbenschnapserl und sehe einer Muttergams mit ihrem Kind zu, wie sie so mit Leichtigkeit über den Rücken springen.

Gemütliche Lattenspitze

So dann weiter und ganz rasch noch der Wildangerspitze einen Besuch abstatten bevor ich zum Törl komme und den restlichen Abstieg bewältige. Jetzt denke ich mir, dass es besser gewesen wäre mit dem Rad zumindest zu den Herrenhäusern zu fahren, so muss ich noch bis zur 3. Ladhütte hinunter wandern. Dann endlich rausradeln. Das wars…

Abschließend noch ein (meiner Meinung nach) tolles Foto. Ich finde die Natur immer wieder überwältigend.

Wunderschön

Ja was ist hier noch zu schreiben? Ein Fazit? Ach Gott: es war ein Gipfel im Karwendel auf eine Art und Weise, wie ihn manch ein anderer nicht besteigt. Auf alle Fälle: nur für Geübte. Weißt eh: trittsicher und schwindelfrei und so, und: Karwendel halt. Schöne Zeit im wunderschönen Karwendel wünsche ich jedenfalls allen 🙂 Egal in welcher Art und Weise man einen Gipfel besteigt, es ist einfach traumhaft.

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