Luxus und Komfort – wollen wir das wirklich alle?

Ich bin sehr gern in den Bergen – sonst hätte ich diesen Blog nicht. Und bin somit auch gern auf Hütten. Und so kommt es, dass ich natürlich eine Lieblings- und Stammhütte habe: die Bettelwurfhütte. Als die Renovierungsarbeiten auf dieser Hütte begannen, war ich natürlich in erster Linie erfreut, dass endlich nach vielen Versprechungen seitens Alpenvereins Innsbruck, dieser Schritt in Angriff genommen wurde.

Bettelwurfhütte

Die Bettelwurfhütte von oben

Als man die ersten Fortschritte schon beobachten konnte, war ich jedoch sofort schockiert. An der alten Front wurden sogenannte “Solar-Luft-Kollektoren” angebracht. Für einen Laien natürlich erst mal ein Schock: wie kann man diese großen Dinger dort an der Front anbringen und somit die gut aussehende alte Hütte verschandeln. Ich war mit einem Posting auf Facebook mit meiner Wortwahl daraufhin nicht ganz sorgfältig, worauf ich den Verursacher als Vollkoffer bezeichnete. Der Hüttenwart hat mir jedoch auf ein Mail, welches ich dem AV-Innsbruck zukommen habe lassen, dennoch höflich und sachlich geantwortet und die Sache erklärt. Somit ist für mich zumindest der Grund für die Kollektoren verständlich. Kurz: es geht darum, dass im Sommer der Trockenraum und im Winter überhaupt die Hütte mit warmer trockener Luft versorgt wird. Im Winter hat das dann den Sinn, dass das Mauerwerk nicht komplett durch die Feuchtigkeit zerstört wird. o.k. ein Grund. Dennoch bin ich der Meinung, dass man den Platz besser hätte wählen können. Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab.

Vor einiger Zeit (genauer am 18. Juli) wurde in Tirol heute ein Bericht über den Umbau und dessen Herausforderungen ausgestrahlt. Natürlich: ein Umbau ist unbedingt notwendig und die Herausforderung in diesem alpinen Gelände nicht zu verachten. Doch blieben mir einige Worte sehr stark hängen. Der Architekt (und selbst angeblich Hüttenwart) des Umbaus hat folgende Aussage getätigt:

“Die Touristen wollen Duschen, Halbpension, ein kleines lauschiges Zimmer und kein Lager (Schnarcher). Da müssen alle Hütten darauf reagieren.”

Alle? Müssen das wirklich alle? Brauch ich auf 2077m eine Dusche? (auf der Bettelwurfhütte ohnedies aufgrund des Wassermangels nicht möglich) Benötige ich einen Cappuccino, einen Caffe Latte oder Macchiato? Sind den werten Touristen die Lager plötzlich nicht mehr komfortabel genug?

Die Monte-Rosa-Hütte © Francofranco56, via Wikimedia Commons

So? Die Monte-Rosa-Hütte © Francofranco56, via Wikimedia Commons

Auf der anderen Seite veröffentlicht jedoch genau der AV einen Bericht über “wilde Hütten” Und auch das Magazin bergsteiger hat einige “wilde Hütten” in seinem Magazin einen Bericht (wird noch nachgereicht) gewidmet. Hütten auf denen Einfachheit und Ursprünglichkeit eine große Rolle spielen – so steht es jedenfalls im AV-Bericht. Ist es eben nicht genau das, was man in den Bergen sucht: Ruhe, Einfachheit und eben Ursprünglichkeit. Brauch ich ein Hotel auf dem Berg? Muss ich mit aller Gewalt auch jene in die Berge locken, die ansonsten nie dort oben wären? Muss ich die Materialseilbahn benutzen um das Gepäck zu transportieren, weil der zahlende Tourist ja sonst nicht auf die Hütte kommt? Muss ich für eine – ansonsten gesperrte – Straße für Taxis eine Ausnahme machen, weil sonst viele der Herausforderung nicht gewachsen sind? Muss der (Hütten)Tourismus immer mehr Menschen aufnehmen und sich für ein größeres Publikum breit machen? Kann der Komfort nicht zu Hause im Wohnzimmer oder zumindest in der Stadt bleiben?

Rojacher Huette © Georg Unterberger

Oder so? Rojacher Huette © Georg Unterberger

Verdammt noch mal: geht doch wieder mal kalt duschen, hüpft nackt in einen Bergsee, zieht euch wieder mal einen Muskelkater in Schultern und Beinen zu, weil ihr das Gehen (mit Gepäck) nicht gewohnt seid. Trinkt doch einfach mal einen Filterkaffee und schlaft ruhig mal neben ein paar Schnarcher. Es wird keinen umbringen und ihr freut euch vielleicht ein bisschen mehr, wieder nach Hause zu kommen: auf die warme Dusche, auf das kuschelige Bett, auf einen guten Kaffee. yes…..

Aber lasst die Hütten einfach Hütten sein. Renovieren und erhalten: JA – expandieren und explodieren: NEIN!

Das ist auf alle Fälle….

….meine Meinung!

Nachtrag am 11.09.2016: Bericht in der Extra-Ausgabe der TT.
Überschrift: Schlicht eine Berghütte
Unter dem Titel: Die Ansprüche der Gäste steigen, aber müssen es immer Dusche und WLAN sein?

Was sagt uns das? Also mir sagt das Folgendes: der AV will Geld machen. Um Geld zu machen braucht es Touristen. Und zwar Touristen, die auch Geld ausgeben und nicht im Schlafsack hinter der Hütte nächtigen. Damit ich diese Touristen anlocke, braucht es Luxus. Luxus, den unsereins in den Bergen auf alle Fälle nicht sucht. Aber um uns geht es ja gar nicht. Leider….. Das heißt, dass sich das Publikum ändern wird auf den Hütten. Denn jene Leute mit denen ich so spreche, wollen das alles nicht. Also her mit den Touristen, denn wir bringen dem AV ja kein Geld… Äh, Moment… Zahl ich nicht brav meinen AV-Mitglieds-Beitrag? Und das, damit dann etwas mit dem Geld gemacht wird, das ich nicht will? Nein – Danke!

 

One Comment

  1. Hallo Axi,
    Guter Text, stellenweise vielleicht etwas forsch formuliert, aber ich seh das ähnlich wie du.
    Es wäre einfach schade, wenn die letzten “Rückzugsorte” ihren Charme verlieren.
    Denn darum sollte es doch gehen am Berg: raus- und runterkommen vom Alltag…
    in dem Punkt bin ich gerne altmodisch.
    LG, Basti

Comments are closed