Rosskopf Halltal über Südostgrat

Es gibt Gipfel (Ziele) oder auch nur Überschreitungen (Wege), von denen man gehört hat, aber um sie selbst zu bestreiten, braucht es jemanden, der dies schon mal gegangen ist. Jemanden, der dich selbst einschätzen kann und sich somit sicher ist: “Ja, das ist eine Tour für dich, das packst du leicht.” Ich wäre diese Tour, auch wenn jemand anderer gesagt hätte: “easy, das findest mit links”, nicht alleine gegangen. Somit war ich wirklich glücklich einen Bergkameraden an meiner Seite zu wissen, der diese Tour schon sehr oft gegangen ist und an diesem Wochenende Zeit hatte. Zeit für den markanten Roßkopf vom Halltal aus mit anschließender Überschreitung zu einem benachbarten Gipfel – in diesem Fall, die Stempeljochspitze.

Gipfelkreuz Roßkopf

Da im Halltal schon seit wenigen Jahren Fahrverbot herrscht, bleiben einem folgende Möglichkeiten:

  •  zu Fuß vom Hackl (Eingang Halltal) aus
  • mit dem Taxi bis kurz nach St. Magdalena
  • mit dem Rad – so weit es geht

Wir entscheiden uns natürlich für Letzteres und so kommt es, dass wir, als wir das Rad abstellen, bereits über tausend Höhenmeter bestritten haben. Hier beginnt erst die richtige Bergtour. Wir lassen das Rad beim sogenannten Wasserberg (hinter der Hütte) auf ungefähr 1.600m stehen und schreiten zu Fuß weiter. Unser Weg führt uns erst mal in Richtung Lafatscher Joch ehe wir links auf den Wilde-Bande-Steig abbiegen. Ein anderer Bergkamerad hat zwar für diese Zwecke einen alten Jagasteig durch die Latschen gefunden und auch ausgeschnitten, an diesen habe ich jedoch nicht gedacht und wusste auch nicht wo er zu finden wäre. So ist es halt ein wenig umständlicher und wir machen ein paar Kilometer mehr.

Blick Richtung Issanger / Halltal - links Speckkarspitze und danach die Bettelwürfe

Blick Richtung Issanger / Halltal – links Speckkarspitze und danach die Bettelwürfe

Wir verlassen also den Wilde-Bande-Steig nach gut einer Stunde Wanderung – die Stunde ist ab da gerechnet, wo wir den Steig zum Lafatscher Joch verlassen. Hier fließt an diesem Tag auch noch immer reichlich Wasser herunter und wir können so ein letztes Mal unsere Flaschen füllen. Ab hier geht es weglos ins Gelände. Ich muss hier an dieser Stelle vermerken, dass es einerseits (nachträglich betrachtet) ein leichtes ist, die richtige Auswahl für den Aufstieg zu treffen. Die Geländestruktur macht es einem relativ schwer falsch zu gehen. Andererseits möchte ich niemanden dazu ‘verleiten’ mit diesem Blogeintrag, diese Tour anzustreben. Das Karwendel hat seine Tücken und leicht kann man an Stellen geraten, an denen man sich unwohl fühlt und unter Umständen an ein Weitergehen nicht mehr zu denken ist. So ist ein Umkehren meist auch schwer möglich. Deswegen hier der Vermerk: entweder einen Einheimischen schnappen, der sich auskennt, oder einfach so was von trittsicher und schwindelfrei sein, dass dies kein Problem darstellt.

Ohne Allrad geht kaum mehr was

Ohne Allrad geht kaum mehr was

Es gibt ab hier nicht mehr allzu viel zu erzählen. Man muss meist auf allen Vieren den Berg besteigen und meist klettert man auf gutem Fels ein wenig herum. Eine kleine heikle Stelle mit etwas Geröll und brüchigem Karwendel üblichen Gesteins muss man meistern und natürlich muss man seiner Tritte sicher sein. Und so haben wir nach gut eineinhalb Stunden den Gipfel zufrieden erreicht. Trinkpausen sind natürlich in dieser Zeitnehmung mit einberechnet.

Kurz vor dem Gipfelkreuz

Wir stärken uns am Gipfel, genießen den Schnaps, die Sonne, die Ruhe und natürlich die herrliche Aussicht.

Blick Richtung Samertal

Danach machen wir uns auf den Weg in Richtung Stempeljochspitze. Wenngleich auch dieser Weg keineswegs markiert ist, findet man ab und zu das eine oder andere Stoamandl. Ich gehe jedoch (fast blindlings) meinem Bergkameraden hinter her. Aber auch hier: mit etwas Orientierungsvermögen und Geländeeinschätzung nicht wirklich schwierig einen guten Weg zu finden. Es gibt im Prinzip keinen richtigen Weg. Es gibt nur einen, der leichter ist und einen, der schwieriger ist. Wenngleich die Stempeljochspitze niedriger ist, als der Roßkopf leisten wir noch einige Höhenmeter. In Summe sind es in etwa hundert gewesen.

Gratwanderung - eine meiner Lieblingsbeschäftigungen am Berg

Nach gut einer Stunde haben wir unseren zweiten Gipfel erreicht. Kurz nochmal ein Schnapserl, ein Foto, ein Genuss und weiter geht’s. Ab hier gibt es dann auch wieder Markierungen des Alpenvereins. Wir landen dann am Stempeljoch und halten uns links und wandern durch die Stempelreisn Richtung Issanger und weiter zu unserem Rad. Rausrollen, Sturz bauen, weiter rollen und im Alpengasthof St. Magdalena auf ein, zwei, drei Bierchen einkehren. Eine tolle traumhafte Bergtour geht zu Ende.

Grüße vom Rosskopf versenden

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