Karwendeldurchquerung – eine Winterwanderung

Das Karwendel im Winter von West nach Ost zu durchqueren ist eine besondere Herausforderung. Traumhafte Abfahrten vermisst man hier, dafür wird man mit einer wunderbaren Winterlandschaft belohnt. Diese Unternehmung bedarf jedoch einer besonderen Vorbereitung: so haben wir unser Auto bereits am Vortag in Pertisau kurz vor der Mautstelle ins Gerntal abgestellt, um uns nach der Tour die Heimreise zu erleichtern.

Karwendeltal

Tag 1:

Wir starten um 06:05 Uhr Früh mit dem Bus von Hall nach Innsbruck und von dort weiter mit dem Zug um 07:08 nach Scharnitz. Aufgrund des Schneemangels sind wir gezwungen unsere Skier eine beachtliche Strecke zu tragen. Ca. 50 min. bzw. 3,5 km dauert es bevor wir mit unseren Skischuhen in die Bindung steigen. Ungefähr 13 Kilometer geht es gemächlich nur mäßig ansteigend dahin, ehe wir noch 500 Höhenmeter zum Karwendelhaus empor steigen. Diese Strecke sind wir natürlich nicht ohne eine Pause mit Stärkung durchgegangen. Wir haben es uns an einem sonnigen Plätzchen gemütlich gemacht. Doch die Sonne versteckte sich gleich wieder hinter den südlich gelegenen mächtigen Gipfel des Karwendels. So ziehen wir auch gleich wieder weiter und beginnen so bald unseren Aufstieg. Oben angekommen kurz vor dem Karwendelhaus rasten wir bei der Kapelle erneut und bewundern die weiße Pracht und stellen uns vor, wie es hier wohl aussehe, wenn der Winter heuer mehr geleistet hätte als nur die wenige Menge Schnee.

Kurz nach dem Jochkreuz

Kurz vor der Abfahrt zum kleinen Ahornboden

Danach führt uns der Weg noch ein kleines Stück höher zum Jochkreuz, ehe wir uns der Felle entledigen und eine kurze aber feine Abfahrt zum kleinen Ahornboden genießen dürfen. Dort angekommen müssen wir uns mal orientieren, damit wir den besten Weg in Richtung Falkenhütte finden. GPS-Gerät und Karte sei Dank haben wir diesen auch bald gefunden und befinden uns auch schon wieder im Anstieg. So geht es nochmal etwas über vier hundert Höhenmeter hinauf und die Laliderer Wänder empfangen uns mit ihren steil herabfallenden Wänden.

Letzter Anstieg zur Falkenhütte

Im Winterraum der Falkenhütte angekommen, kommt dann die Ernüchterung: der Raum bietet Platz für acht Personen. Wir sind 8 Personen (und ein Hund) und als wir vor der Hütte schon einige Paar Skier erblicken, wissen wir: “wir sind nicht allein”! Bereits weitere acht Tourengeher haben den Übernachtungsplatz belegt. Es war zwar schon kuschelig warm, jedoch auch etwas eng und dadurch ein wenig turbulent. Drei Tourengeher entscheiden sich dann doch abzufahren um der Kompaktheit zu entfliehen. Dies hat jedoch auch nichts gebracht, da weitere drei plus zwei Winterfreaks eine Nächtigung vor hatten. Die ersten drei blieben jedoch nur für eine Mahlzeit und ein Bier und machten sich gleich auf den Weg. Mit etwas Organisation liesen sich aber alle Schlafplätze gut einteilen, so dass jeder zu seinem Platz und seinem Schlaf gekommen ist.

Winterraum

Tag 2:

Die Nacht war trotz Platzmangel doch recht angenehm und so können wir ausgeschlafen die nächste Etappe in Angriff nehmen. Erstmal heißt es etwas abfahren. Eigentlich wollten wir die Laliderer Reißen so weit oben wie möglich queren um zum Hohljoch nicht wieder aufsteigen zu müssen. Dieses Unternehmen wurde jedoch von harten Lawinenbrocken vereitelt und so blieb uns nichts anderes über als zur Lalidersalm-Niederleger abzufahren. Wir entschieden uns darauf hin, nicht wieder aufzusteigen, sondern das Laliderer Tal hinaus zu ‘gleiten’ um anschließend ein wenig ins Engtal und zum großen Ahornboden zu gehen. Bei der Hagelhütte begann dann nach einer erneuten Stärkung der längere Anstieg auf das Plumsjoch. Es sind zwar nur ca. 500 Höhenmeter zu meistern jedoch ziehen sich diese aufgrund des mäßigen Anstieges des Forstweges ganz nett. So sind wir sichtlich erleichtert endlich oben angekommen zu sein und vernichten unseren letzten Schluck Zirbenschnaps.

Laliderer Tal

Dann heißt es wieder “runter mit den Fellen” und ab geht’s. Die Abfahrt ins Gerntal ist nicht wirklich aufregend, jedoch verlangt diese Geduld, Kraft, Aufmerksamkeit und große Vorsicht. Danach stehen uns von der Gerntalalm fünf Kilometer Ziehweg bevor. Ansich nichts Schwieriges, der weiche Schnee lässt aber kaum Geschwindigkeit aufkommen und so müssen wir für dieses letzte Stück im Langlauf-Skating-Stiel die letzten Reserven rauslocken. Schlussendlich werfen wir gleich die Skier ins Auto und genießen noch ein wohl verdientes Bierchen in der Langlauf-Hütte (der genaue Name ist mir leider entfallen).

Die letzten paar Kurven vor dem Plumsjoch

Plumsjochhütte

Fazit:
Keine Skitour – mitnichten: eine Wanderung mit Skiern. Lang, anstrengend  und fast nicht enden wollend. Es hat sich aber gelohnt. Ich habe mal mein Karwendel im Winterkleid gesehen. Und ich werde es mir wieder ansehen. Ein anderes Mal, mit mehr Schnee – mit Sicherheit!
Höhenmeter:
ca. 2.200 – ungefähr 1.400 davon am ersten Tag – da fragt man sich oft, wo man diese gemacht hat.
Strecke:
58km – halbe / halbe
Dauer:
acht Stunden am ersten Tag und sechseinhalb am zweiten, wobei die größeren Pausen hier nicht mit eingerechnet sind.

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